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Ausstellungstext
“How to make a fire“
“Wie man ein Feuer macht“
Eine Entdeckung, der viele Ereignisse folgen. Die Schatten an der Höhlenwand. Marius Glauer reiht sie in abstrakter Fotografie. Auf der Schwelle von industrieller Massenproduktion zu frei zugänglichen Produktionsmitteln, entstehen Prototypen, Kundschafter an den Grenzen des Terrains der Fotografie. Er sucht nicht etwas Bestehendes und Abgeschlossenes, er sucht etwas Neues, das aufnehmbar ist, um es wieder zu hinterlassen. Konsequent auf den Errungenschaften aufbauen, sie sich zu eigen machen und die Zuordnung zu einem eingegrenzten Genre immer wieder zu hinterfragen.
Den Anker zu werfen, um ihn wieder zu lichten.
Der Griff zur nächsten Liane.
Wie Proben in einer Studie schematisiert, verweisen diese Arbeit auch auf die Ähnlichkeit zwischen der Fotografie und des Abgebildeten. Das Wesen des Werkstoffes verflüchtigt sich, wird zum Bildträger und taucht wieder auf. Das Bild schwingt zwischen diesen Polen, zwischen abstrakter und konkreter Auslegung.
Im Detail, in Ornamenten und Mustern, lassen sich Einheiten aus der Kulturgeschichte wiedererkennen.
“Ich bestell jetzt mehr Stoff aus Kiew“.
Ein Zwischenraum, in dem sich die Gedanken verselbstständigen.
Eine Horizontlinie zieht den Blick über das Meer, in die Ferne. Zehen ziehen sich zur Kante zum Absprung. Der Mensch ist immer anwesend. Ab wann ist er abwesend? Drinnen läuft der Kap Hoorn Song, Außen architektonisch. Ein Gefühl jemand betritt das Podest. Podeste mit aufgeladenen Flaggen.
“Untitled (Tubes)“: Ein von langer Hand vorbereiteter Aktionsrahmen wird angefüllt, eine Installation, die sich in Aufbau und Zusammenstellung immerfort wandelt. Die Kamera wird dabei immer passiver, tritt zurück und verweist auf den Abstand einer Betrachtung. Legen, schnelles Legen, Verschieben, Farbe auftragen. Faktisch anstrengend. Nicht krass anstrengend. Assemblagen im Flowzustand. Durchsichtige Röhren, stehen hier wie Säulen, schweben im weißen Raum. Rock ‘n‘ roll every night underneath the neon light. Schwarze Farbe mit dem Pinsel aufgetragen, verläuft, angehalten in der Zeit. Nicht stopp stopp stopp. Unterbrechen ist etwas anderes als anhalten, das wäre ein zu großer Eingriff. Ein Werk hatte mehrere Momente an dem es fertig ist. Der weite Blick. “Können wir mal die Rechnung haben, will nur mal so zwischenrechnen. Ja, wir nehmen noch so ‚ne runde. Man macht, man macht, aber man addiert eigentlich.“ Jetzt wieder. In der Summe der Bilder offenbart sich eine Stadt mit monumentalen Bauten. Der Puls in den Adern. Zeichen im Rhythmus. Am Anfang eines Gedankens steht vielleicht ein Wort, bei einem Wort gibt es einen Anfang und ein Ende, aber der Gedanke setzt sich fort. Die Überlegung, aus welchem Material ein Wort besteht. Aus unbeständiger Sahne, am Zerfall gehindert. In diesem Moment, wenn sie frisch ist, steht dort das unausgesprochene, das abstrakte Wort. Eine Wiederholung von Linien und Kurven, wieder aufgegriffen von den Mustern der Stoffe und Folien, um ein latentes Wort im Fluss zu halten. Dann auch Buchstaben, Ziffern und Wörter, die Hauptstadt von Madagaskar, übersprüht und verwischt in andere Formen. Das mögliche Resultat ist in der Dose schon enthalten. Im Durchlauf Qualitätsprüfung der Sahne. Eine Anordnung in Varianten der Wiederholung. Selektion. Von grob zu fein gemahlen. In allen seinen Arbeiten tritt man aus der räumlichen Illusion an die Fläche heran, nun verläuft diese zur Oberfläche, dann wieder zur Form, zur Raumwirkung, zum Zeichen. Das scheinbar abstrakte Bild erweitert sich selbst, befindet sich in dauerhafter Verschiebung. Shift. Die Betrachtungsweisen springen hin und her. Die Großformatkamera löst dabei die Anordnung im doppelten Sinne auf. Sie betrachtet die Webstruktur eines Stoffes, einzelne Tropfen verlaufender Farbe, Kratzer und Druckraster.
“Erinnerungen treffen nie den Punkt.“ Während sich der Gedanke weiterentwickelt, folgt die Kamera. Die Aktion ist fixiert trotz dauerhafter Veränderung. Letztendlich offenbart sich das Unterschwellige auf dem Negativ im analogen Prozess. Ein Fetisch, ein bipolar latentes Bild, in einer sich wiederholenden Anordnung.
Die Katze in der Kiste.
Exhibition:Marius Glauer, Katalog Text, 2013
Artworks: