10.4.2025, 13:09
Interview von Michael Steingruber
Ein letztes Mahl
Künstler Marius Glauer philosophiert über die Auster
Bekannte Menschen erzählen von der Speise ihres Lebens
„Austern haben nicht nur in meiner aktuellen Ausstellung einen besonderen Stellenwert. Als Kind habe ich bei meiner Familie in Südnorwegen nach ihnen getaucht. Sie übten eine ganz spezielle Faszination aus. Da war einerseits die Hoffnung, eine Perle darin zu finden. Die harte Schale war auch nur mit der richtigen Technik zu öffnen.
Andererseits ekelte ich mich auch ein bisschen vor dem schleimigen Ding. Die Austernart meiner Kindheit war auch nicht genießbar, sie waren groß wie Erwachsenenhände. Erst als Erwachsener habe ich dann Fine-de-Claire-Austern gekostet und sie lieben gelernt. Ich glaube, es war 2012 in New York.

Das hat mich anscheinend geprägt, denn am liebsten mag ich sie mit Tabasco und einem Glas Whisky dazu. Ich schätze Austern aber nicht nur kulinarisch, sondern auch philosophisch. Außen wirken sie extrem rau und unwirtlich, innen hingegen opulent und zart. Eine gewisse Widersprüchlichkeit besteht auch auf historischer Ebene. Austern gelten erst vergleichsweise kurz als Luxusprodukt. Von Fischern wurden sie schon lange gegessen, nicht zuletzt, weil es sie in großen Mengen gab. Auch ich esse, wenn möglich, gleich neun bis zwölf Stück.“ (RONDO, Michael Steingruber, 10.4.2025)
